Das SBF-System

Im Jahr 1995 entwickelt als Alternative zum Grünen Punkt

Mit der Einführung des Grünen Punkts durch das Duale System (DSD) wurde 1992 in Deutschland das Recycling von Verkaufsverpackungen als Lösung aller Entsorgungsprobleme propagiert. Müllvermeidung und Mehrwegsysteme traten in den Hintergrund. Nana Petzets Gegenmodell – das SBF-System (Sammeln Bewahren Forschen) – setzt bei dem vom DSD propagierten „Wertstoffbegriff“ an: Wenn der Grüne-Punkt-Müll tatsächlich „Wertstoff“ ist, warum soll man ihn nicht selbst recyclen und im eigenen Haushalt einer neuen Funktion zuführen? Während sich das Kunststoffrecycling des DSD als technisch und energetisch aufwendige Verwandlung in ein Produkt mit wesentlich schlechteren Eigenschaften erweist, behält das im Rahmen des SBF-Systems direkt verarbeitete Material seine Hochwertigkeit. Vor allem aber kann die Verbreitung des SBF-Systems entscheidend zur Müllvermeidung beitragen. Denn sollte ein Haushalt schon mit selbstgefertigten Papierkörben aus Plastiktüten, Wandteppichen aus Milchkartons und Seifenablagen aus Sektkorken bestückt sein, stellt sich die Frage der Müllvermeidung erneut mit aller gebotenen Dringlichkeit.

1 Das Symbol „Grüner Punkt“ des DSD mit seinen an Yin und Yang erinnernden verschlungenen Pfeilen soll den Kreislaufgedanken herausstellen.

2 Das Symbol des SBF-Systems: Das Auge und der Baum in der Träne symbolisieren die Verantwortung jedes Einzelnen für seine Umwelt.

3 Vor dem eigentlichen Recycling müssen diese unterschiedlichen Verpackungen dann wieder in den Sortieranlagen nach Materialart getrennt werden.

4 Milchkartons werden in der Badewanne gewaschen. Reykjavík, 1998

5 Die Entscheidung über Anzahl und Art der Sammelbehälter und über die Kategorien, nach denen gesammelt werden soll, bleibt dem Teilnehmer/der Teilnehmerin am SBF-System selbst überlassen.

6 Wird in einem Haushalt für den Grünen Punkt gesammelt, werden Verkaufsverpackungen aus Metallen, Kunststoffen und Verbundstoffen restentleert und möglichst trocken zusammen in einen Behälter gegeben.

7 Recyclingprodukte das DSD: Die notwendige Sortenreinheit für derartig hochwertige Produkte kann häufig nicht erreicht werden.

8 Milchkartons, aufgefaltet und gereinigt, sind ein idealer Werkstoff für Kulturbeutel, Raumteiler oder Fußabstreifer.

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12 Das SBF-System, Präsentation von gereinigten Verpackungsabfällen im Areal für Sonderpräsentationen (zwischen Spielzeugabteilung und Haushaltswarenabteilung) des Kaufhauses Kastner & Öhler im Rahmen der Ausstellung 2000 minus 3, Art Space plus Interface, steirischer herbst ’97, Graz 1997

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14 Immer mehr Deutsche sehen in der Abfallwiederverwertung nach dem SBF-System nicht nur eine lästige Pflicht, sondern eine lohnende und sinnstiftende Freizeitbeschäftigung.

15 Vergleicht man die negativen Auswirkungen des zweiten (DSD) und dritten (SBF) Müllentsorgungssystems, so fallen die Zahlen (bezogen auf die Verwertung einer Tonne Abfall) des SBF-Systems deutlich positiver auf.

16 Die geringere Distributionsentfernung ist der entscheidende Faktor für die Überlegenheit des SBF-Systems.

17 Zeitungsausschnitt mit Abbildung eines Vorgartens eines sogenannten „Messies“. Auch ein konsequentes Leben nach dem SBF-System führt zwangsläufig zu Stauungen: das Endlager in den eigenen vier Wänden.

18 Ausstellung today tomorrow, Kirin Plaza Osaka, 1999. Die in Deutschland, Island, Österreich und Frankreich gesammelten Verpackungsabfälle werden in Japan ausgepackt.

19 Das SBF-System Abteilung „Sammeln“, Wandregale mit gebrauchten Verkaufsverpackungen, Flaschentrockner, Wandbeschriftung: „Sammeln“, „Reinigen“, „Trocknen“, „Sortieren“, „Lagern“, Ausstellung Private Werte, Künstlerwerkstatt Lothringer Straße, München 1999

20 Das SBF-System Abteilung „Bewahren“, Präsentation von Recyclingobjekten und reparierten Gegenständen, Wandbeschriftung: „Bewahren“, „Wiederverwenden“, „Umfunktionieren“, „Sortieren“, „Wiederverwerten“, „Schmücken“, „Reparieren“, Ausstellung Private Werte, Künstlerwerkstatt Lothringer Straße, München 1999

21 Das SBF-System Abteilung „Forschen“ Präsentation von Recyclingobjekten und reparierten Gegenständen, Wandbeschriftung: „Seydisfjördur“, „Polen“, „Werkleitz/Tornitz“, „Christiania“, „Simbabwe“, „Osaka“, „Bad Mitterndorf“, Ausstellung Private Werte, Künstlerwerkstatt Lothringer Straße, München 1999

22 Jahresgabenproduktion: Im Bonner Kunstverein fertigen Kunsthistoriker Obstkörbchen. Das Material, Plastiktüten und Geschenkbänder, wurde von den Vereinsmitgliedern gesammelt. Ausstellung Wir machen wahr, was der Grüne Punkt verspricht im Rahmen der Ausstellungsreihe Duchamps Enkel, Bonner Kunstverein, 1997

23 TeilnehmerInnen des Sustainability-Workshops zeigen ihre Upcycling-Produkte im Goethe-Institut Ramalla,
März 2015

24 Zwischen 1995 und 2015 nahm die in Deutschland anfallende Menge von Verkaufsverpackungen aus Kunststoffen kontinuierlich zu.

Abb. 1, 3, 6, 7: Duales System Deutschland AG
Abb. 4, Foto: Olafur Gíslason
Abb. 5, 8, 9, 10, Foto: Stefan Exler
Abb. 11, Video: Manuel Zonouzi
Abb. 14: Quirin Leppert
Abb. 15, 16, Grafik: Michael Kress
Abb. 19-21, Foto: Barbara Stenzel
Abb. 22, Foto: Bernhard Schaub