{"id":23,"date":"2023-12-30T16:20:58","date_gmt":"2023-12-30T15:20:58","guid":{"rendered":"http:\/\/nanapetzet.de\/np\/?page_id=23"},"modified":"2024-03-03T13:44:11","modified_gmt":"2024-03-03T12:44:11","slug":"texte_de","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/nanapetzet.de\/np\/texte_de\/","title":{"rendered":"texte_de"},"content":{"rendered":"\n<style type=\"text\/css\" data-created_by=\"avia_inline_auto\" id=\"style-css-av-9sn3-bedb74be77085809ceb3332b299d76ef\">\n.flex_column.av-9sn3-bedb74be77085809ceb3332b299d76ef{\npadding:20px 20px 20px 20px;\nbackground-color:#eeeeee;\n}\n<\/style>\n<div  class='flex_column av-9sn3-bedb74be77085809ceb3332b299d76ef av_one_full  avia-builder-el-0  el_before_av_one_full  avia-builder-el-first  first no_margin flex_column_div  '     ><section  class='av_textblock_section av-lta7yatz-db75f62ff1a55d65b788ac1f3350fa74 '   itemscope=\"itemscope\" itemtype=\"https:\/\/schema.org\/CreativeWork\" ><div class='avia_textblock'  itemprop=\"text\" ><h2>\u201eK\u00fcnstlerische Wissenschaftsforschung\u201c<\/h2>\n<h2><\/h2>\n<\/div><\/section><br \/>\n<section  class='av_textblock_section av-lta7yhvj-bb284565a3fd24085dcd7eb3cd72320e '   itemscope=\"itemscope\" itemtype=\"https:\/\/schema.org\/CreativeWork\" ><div class='avia_textblock'  itemprop=\"text\" ><h4><b>Eine Perspektive auf Nana Petzets Neukonfigurierung k\u00fcnstlerischer, wissenschaftlicher und \u00f6kologischer Systeme<br \/>\nIdis Hartmann und Tim Jegodzinski<\/b><\/h4>\n<\/div><\/section><br \/>\n<section  class='av_textblock_section av-lta880bl-2d5e10bab5c39e916444d6e3fd1a41ea '   itemscope=\"itemscope\" itemtype=\"https:\/\/schema.org\/CreativeWork\" ><div class='avia_textblock'  itemprop=\"text\" ><p>Die K\u00fcnstlerin Nana Petzet arbeitet konzeptuell und realisiert ihre Projekte in zahlreichen Medien, etwa Installationen, Performances oder k\u00fcnstlerischen Forschungsprojekten. Ihre tempor\u00e4re Lichtinstallation <em>Lichtfalle Hamburg<\/em> (2015\/2018) stellt eine wegweisende Arbeit der Lichtkunst dar, mit der sie auf das Problem der Lichtverschmutzung im \u00f6ffentlichen Raum aufmerksam gemacht hat, der auch Habitat f\u00fcr nichtmenschliche Wesen, besonders Insekten, ist. Damit hat Nana Petzet einen entscheidenden Beitrag zum Diskurs \u00fcber die \u00f6kologischen Auswirkungen von Lichtkunst und Kunstlicht im Anthropoz\u00e4n geleistet.<br \/>\nIm Anthropoz\u00e4n ist der Mensch zu einem der wichtigsten Einflussfaktoren auf die biologischen, geologischen und atmosph\u00e4rischen Prozesse der Erde geworden. Mit dieser These hat die wissenschaftliche und politische Debatte um den Klimawandel, \u00f6kologische Krisen und den Umgang des Menschen mit dem System Erde eine neue Ausrichtung erhalten, denn es wurde <em>wissenschaftlich<\/em> nachgewiesen, dass <em>globale <\/em>Ver\u00e4nderungen <em>vom Menschen<\/em> verursacht wurden und vielfach <em>nicht umkehrbar<\/em> sind. Dies hat die Frage nach der Verantwortung des Menschen und seiner Zentralstellung im Sinne eines Anthropozentrismus, nach moralischen, ethischen und politischen Handlungszw\u00e4ngen sowie nach einem besseren Zusammenleben von menschlichen und nichtmenschlichen Wesen neu und eindringlich gestellt. Dabei wurden auch alternative Begriffe vorgeschlagen, insbesondere, um dem Menschen, dem <em>anthropos,<\/em> nicht wieder eine herausgehobene Stellung zu verleihen und um darauf hinzuweisen, dass nicht alle Menschen zu gleichen Teilen Verantwortung tragen. Donna Haraway spricht etwa vom <em>Chthulucene, <\/em>das das \u201eChtonische\u201c, also das Erdverbundene meint und zahlreiche nichtmenschliche Akteure, mit denen wir uns einem gemeinsamen, sympoietischen Prozess des Mitwerdens befinden, in den Blick r\u00fcckt, um eine anthropozentrische Perspektive zu verlassen, oder dem <em>Kapitaloz\u00e4n<\/em>, das die Verantwortung des Kapitalismus beschreibt. Cl\u00e9mence Hall\u00e9 und Anne-Sophie Milon haben die zahlreichen Neologismen in einer <em>A (Hi)story with a Thousand Names<\/em> zusammengefasst.*1<\/p>\n<p>Nana Petzet hat nun gemeinsam mit dem Biologen Bernd Reuter und einem Team aus Wissenschaftler:innen und Freiwilligen untersucht, welche Auswirkungen das Stadtmarketingprojekt <em>Blue Port<\/em> auf die Insektenvielfalt im Hamburger Hafen hat. Bei diesem Spektakel wird der Hafen in grelles, kurzwelliges blaues Licht geh\u00fcllt, das eine blaue Stunde simuliert und Insekten besonders anlockt. Nana Petzet hat mit entsprechenden blauen Leuchtmitteln eine Lichtfalle gebaut, diese auf einem Schiff postiert und die Vielfalt nachtaktiver Insekten im \u00d6kosystem Hafen untersucht. Dabei hat sie gezeigt, dass die durch Spektakel wie <em>Blue Port<\/em> und Werbung illuminierte Stadt selbst zu einer Lichtfalle wird und die Nacht verschwindet. Nicht zuletzt diese Arbeit hat ein grundlegendes Umdenken in der Lichtkunst wie auch in der Stadtplanung angesto\u00dfen.<\/p>\n<p>Das Interesse an \u00d6kosystemen, Kreisl\u00e4ufen, Netzwerken und das Verh\u00e4ltnis von Lebewesen zu ihrer Umwelt sowie die Verflechtung von verschiedenen Sph\u00e4ren etwa Kunst und Natur, Kunst und Wissenschaft pr\u00e4gen alle <span style=\"color: black;\">Arbeiten von Nana Petzet. Sie greift auf das epistemische Potenzial der Kunst zur\u00fcck, steht aber dem Begriff k\u00fcnstlerische Forschung kritisch gegen\u00fcber \u2013 schlie\u00dflich ist, laut Petzet, <em>alle<\/em> gute Kunst auch Forschung. Sie betreibt, wie sie es selbst nennt: \u201ek\u00fcnstlerische <em>Wissenschafts<\/em>forschung\u201c, das hei\u00dft, sie befragt konkret die Wissenschaften und ihre Praktiken selbst *2, womit sich Petzets Vorgehensweise anschlussf\u00e4hig zeigt an den Gedanken der Philosophin Judith Siegmund, der zufolge von k\u00fcnstlerischer Forschung sinnvollerweise nur dann gesprochen werden kann, wenn \u201eKunst so arrangiert oder formiert werden k\u00f6nnte, dass sie gegebenenfalls in einigen speziellen F\u00e4llen etwas zur Praxis der Forschung beitr\u00e4gt\u201c *3<\/span><\/p>\n<p>In ihrer Performance <em>Rational Scientific Art<\/em> (1987, Projektwoche, Aula Akademie der Bildenden K\u00fcnste M\u00fcnchen) stellt Petzet beispielsweise in einem Vortrag und mithilfe von vierzehn gemalten Schautafeln die preisgekr\u00f6nten physikalischen Grundlagenforschungen zur Gravitationstheorie eines Prof. Dr. Roland Zoschka vor, die aber auch wie die Figur des Professors selbst fiktiv sind. Die wissenschaftliche Terminologie, die zahlreichen Formeln an den Schautafeln, die Anschlussf\u00e4higkeit an physikalisches Schulwissen und inszenierte Zwischenfragen von \u201eKritikern\u201c lassen die Rezipierenden trotz des ironischen Untertons und des offensichtlichen Kunstkontexts dennoch im Unklaren \u00fcber die Wahrhaftigkeit des Ganzen. Damit r\u00fcckt Petzet die Macht wissenschaftlicher Vortr\u00e4ge durch ihre Rhetorik, Inszenierung und Visualisierung Wahrheit zu suggerieren in den Fokus. \u201eNaturwissenschaft wird zur Kunst erkl\u00e4rt\u201c: Dieser Satz aus <em>Rational Scientific Art<\/em> ist nicht nur als Erweiterung des Kunstbegriffs zu lesen, er macht auch auf die \u201eK\u00fcnstlichkeit\u201c der Erlangung wissenschaftlicher Erkenntnisse aufmerksam, zu einem Zeitpunkt als Autor:innen wie Donna Haraway oder Bruno Latour erst beginnen, die Konstruiertheit und Situiertheit von Wissen in einem Akteur-Netzwerk zu erforschen und lange, bevor diese in aller Munde sind. Petzet hat zuerst die Wissenschaftstheoretikerin Karin Knorr-Cetina (<em>Die Fabrikation von Erkenntnis<\/em>, 1984) rezipiert, sp\u00e4ter hat sie auch Bruno Latours Schriften gelesen. Sie bezieht sich aber auch auf Wissenschaftler wie Niels Bohr und Werner Heisenberg, die gezeigt haben, dass der Messvorgang, die Beobachtung im Mikrokosmos der Elementarteilchen, immer Einfluss auf das beobachtete Ph\u00e4nomen hat, was schlie\u00dflich mit der Kybernetik zweiter Ordnung in der Beobachtung der Beobachtung m\u00fcndet.<\/p>\n<p>So sind Theorien und die Frage ihrer empirischen \u00dcberpr\u00fcfbarkeit ihrer Beobachtbarkeit oft der Fokus von Nana Petzet ebenso wie Themen, die Kunst und Wissenschaft gleicherma\u00dfen erforschen, etwa Materie und Materialit\u00e4t, konkreter und abstrakter Raum, verstreichende, erlebte und abstrakte Zeit. Dabei begleiten ihre Projekte immer auch eine geh\u00f6rige Portion Witz und Ironie, mit der sie den Objektivit\u00e4ts- und Wahrheitsanspruch der Wissenschaft persifliert und die Absurdit\u00e4t manch theoretischer Modelle vor Augen f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die Performance und Installation <em>Reversion als Realisation negentropischer Prozesse im makroskopischen Bereich<\/em> (1992) untersucht etwa Zeit und Ph\u00e4nomene der Entropie. W\u00e4hrend die menschliche Erfahrung die Unumkehrbarkeit der Zeit suggeriert, ging die Wissenschaft von der grunds\u00e4tzlichen Reversibilit\u00e4t physikalischer Prozesse aus, bis Ilya Prigogine mit seiner Theorie dissipativer Strukturen die Irreversibilit\u00e4t und Geschichtlichkeit von physikalischen und chemischen Ereignissen zeigen konnte. *4 In Petzets Arbeit versucht wiederum Prof. Dr. Roland Zoschka im Rahmen einer Versuchsreihe ein durch Schallwellen zerst\u00f6rtes Glas, in einem als \u201eReversion\u201c bezeichneten Vorgang wieder in seinen urspr\u00fcnglichen Zustand zur\u00fcckzuversetzen. Vor dem Hintergrund der thermodynamischen Definition von Entropie erscheint ihm dies m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Die Arbeit <em>Schr\u00f6dingers Katze<\/em> (1992) zeigt wiederum die Tragik und Brutalit\u00e4t, w\u00fcrde man das bekannte Gedankenexperiment Erwin Schr\u00f6dingers tats\u00e4chlich realexperimentell mit einem lebendigen Tier \u00fcberpr\u00fcfen. Bei dem Gedankenexperiment von Erwin Schr\u00f6dinger befinden sich in einem geschlossenen Raum eine Katze und eine winzige Menge radioaktiver Substanz, deren Atome innerhalb einer bestimmten Zeitspanne mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zerfallen. Der Zerfall wird mittels eines Geigerz\u00e4hlers gemessen und l\u00f6st die Freisetzung von Giftgas aus, welches die Katze t\u00f6tet. Solange die Kiste geschlossen ist, herrscht ein Zustand der \u00dcberlagerung, das hei\u00dft die Katze ist gleichzeitig tot und lebendig. Mit der Beobachtung, der Messung, ver\u00e4ndert sich der Zustand des Systems. Schr\u00f6dinger wollte die Unvollst\u00e4ndigkeit der Quantenmechanik zeigen, und dass die Quantenmechanik als ein \u201everwaschenes\u201c Modell fehlgedeutet wird, wenn etwa die Unbestimmtheit in der Quantenphysik mittels makroskopischer Experimente \u00fcberpr\u00fcft wird, in denen Erkenntnisse mithilfe direkter Beobachtung und sinnlicher Wahrnehmung gewonnen werden. In einer Zeit, in der die Deutung der Theorien und die Erforschung der Quantenphysik noch immer in vollem Gange ist, stellt Petzet mit ihrer Arbeit die Frage, wie wir mit solchen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Modellen sowie ihren Anwendungsm\u00f6glichkeiten umgehen wollen.<\/p>\n<p>Die Frage nach der (Ir)reversibilit\u00e4t von Zeit und der Prozessualit\u00e4t von Materie thematisiert Petzet auch in der Arbeit <em>Der Tausendj\u00e4hrige Raum TARA<\/em> (1988). Im Rahmen eines \u201eForschungsprogramms \u00fcber die Beziehungen des menschlichen Organismus zur umgebenden Au\u00dfenwelt\u201c kann mit diesem \u201eneuartigen komplexen Alterungssimulator\u201c die Alterung von Wohnr\u00e4umen, um den Faktor 10<sup>3 <\/sup>beschleunigt, untersucht werden. Mithilfe eines k\u00fcnstlichen Klimas, einer k\u00fcnstlichen Sonne, einer Staubmaschine, mit Hilfskr\u00e4ften, die den Raum abnutzen und besch\u00e4digen, sowie Handwerkern, die ihn alle paar Tage renovieren, altert der Raum in 365,26 Tagen um tausend Jahre. Tafeln mit Diagrammen und Vortr\u00e4ge informieren \u00fcber das Projekt. Wand- und Bodenproben werden wie serielle Kunst pr\u00e4sentiert. Solche wissenschaftlichen Simulationen zur Abnutzung und Alterung gibt es nat\u00fcrlich tats\u00e4chlich, allerdings erscheinen sie hier doch g\u00e4nzlich absurd, stehen Aufwand und Erkenntnisgewinn in keinem Verh\u00e4ltnis. Am realen Einzelfall geht die K\u00fcnstlerin also empirisch philosophischen Fragen nach, etwa der des \u201eSchiff des Theseus\u201c, ob ein Gegenstand seine Identit\u00e4t verliert, wenn viele oder gar alle seiner Einzelteile nacheinander ausgetauscht werden. Vor allem aber bereitet Petzet mit diesen Arbeiten Materialit\u00e4tsdiskurse in der Kunst vor, die sich in den 2000er-Jahren entfalten.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Arbeit <em>Modellversuch Rot <\/em>(1991) malt Nana Petzet etwa eine Serie von 73 identischen, monochromen Bilder. Diese sind jeweils in drei Felder unterteilt, die in Acryl, \u00d6l und Eitempera gemalt sind. Anschlie\u00dfend schickt Petzet die roten Leinw\u00e4nde auf Reisen zu Ausstellungen. Bei regelm\u00e4\u00dfigen Kontrolluntersuchungen dokumentiert sie, welche Spuren der Kunstbetrieb mit seinen Wanderausstellungen und den in den 1990er-Jahren zunehmenden Biennalen an den Gem\u00e4lden hinterlassen hat. Die Leinw\u00e4nde werden also zum wissenschaftlichen Untersuchungsobjekt, zu \u201eMalereimodellen\u201c *5. Damit f\u00fchrt Nana Petzet als eine der ersten vor, wie nicht nur der soziale Kontext der Institution die Produktion und Rezeption von Kunst beeinflusst, sondern auch, wie sich Kunstobjekte unter den <em>materiellen <\/em>Bedingungen globaler Kunstnetzwerke ver\u00e4ndern. Sie r\u00fcckt die materielle Situiertheit der Kunstobjekte, ihre Transformationen innerhalb der Akteur-Netzwerke, in denen sie verwoben sind, in den Blick. Die konkret-abstrakten Gem\u00e4lde werden hier nicht nur als Objekt, sondern als in einem Prozess begriffen, verstanden. Ihre Auseinandersetzung mit dem Kunstbegriff, Systemen und Materialit\u00e4t f\u00fchrt Nana Petzet so auch zu einer neuen institutionskritischen Perspektive.<\/p>\n<p>Ihre Forschungen zu materiellen Kreisl\u00e4ufen setzt Nana Petzet aber auch zunehmend mit einem Fokus auf \u00f6kologische Systeme und Recyclingkreisl\u00e4ufe fort. Sie entwickelt das <em>SBF-System (Sammeln, Bewahren, Forschen) <\/em>(1995\u20132001) \u2013 eine Alternative zum Gr\u00fcnen Punkt. W\u00e4hrend das System des Gr\u00fcnen Punkts dem \u201eVerbraucher\u201c das Recycling abnimmt, seinem Blick entzieht und damit zu einem guten Gewissen verhilft, ist das <em>SBF-System<\/em> auf eine lokale Wiederverwertung und Aufwertung durch den Verursacher des M\u00fclls selbst angelegt. Dieser ist aufgefordert, allen M\u00fcll zu sammeln, zu reinigen und dann kreativ etwas daraus herzustellen, ihn zu reparieren oder umzunutzen. W\u00e4hrend beim Recycling oft ein Material mit schlechteren Eigenschaften, noch dazu mit hohem Transport- und Energieaufwand, erzeugt wird, schl\u00e4gt Petzet hier ein Upcycling vor, zu einer Zeit, in der dieser Begriff gerade erst entstanden ist. Dabei greift Petzet mit einem Augenzwinkern und produktiv gleichzeitig allerdings auf traditionelle Techniken und Sachb\u00fccher zur\u00fcck, etwa <em>Aus Alt wird Neu, Bastelarbeiten f\u00fcr unsere Soldaten<\/em> (1944).<\/p>\n<p>Auch bei diesen Arbeiten stehen der Prozess, den das Objekt in seinem Leben durchl\u00e4uft, und seine Agency im Zentrum des Interesses. In einer Konsum- oder Wegwerfgesellschaft begreift sie M\u00fcll so wortw\u00f6rtlich als \u201eWertstoff\u201c, dem ein Potenzial innewohnt, das es zu erkennen gilt. Sie erkl\u00e4rt also nicht einfach Alltagsobjekte zur Kunst und spricht ihnen konzeptuell k\u00fcnstlerischen Wert zu, sondern fragt, ob wir den Wert eines Alltagsobjekts in Zeiten \u00f6kologischer Krisen nachhaltiger beurteilen k\u00f6nnen, wenn wir eine k\u00fcnstlerische Perspektive einnehmen. Sie nutzt das Potenzial von Kunst, die schon immer Objekte und Materialit\u00e4t erforscht hat, um diese kreativ nutzen und umnutzen zu k\u00f6nnen, so verweist der Titel <em>SBF<\/em> \u2013 Sammeln, Bewahren, Forschen \u2013 auf die Kernaufgaben des Museums. Petzet greift auf handwerkliche, hauswirtschaftliche und DIY-Techniken zur\u00fcck, repariert, restauriert, \u00fcberarbeitet, verarbeitet weiter. Dabei geht es ihr auch um eine soziale Praxis, in der Ideen ausgetauscht werden, Energiebilanzen, der Verbrauch von Ressourcen und Transportwege, eine \u00d6kobilanz oder \u201eLebensabschnittsanalyse der gesamten Abfallmenge\u201c notiert werden. Das <em>SBF-System<\/em>, das Nana Petzet vorschl\u00e4gt, setzt sie konsequent und exemplarisch in dem <em>Selbstversuch: Wohnen nach dem Motto \u201eSammeln, Bewahren, Forschen\u201c N\u00fdlendugata 15, Reykjav\u00edk <\/em>(1997\u20131998) um, bei dem sie w\u00e4hrend eines halbj\u00e4hrigen Aufenthalts in Island den M\u00fcll ihrer Familie sammelt, wiederverwertet und in ihrem Haus ausstellt. Als Nana Petzets Gro\u00dftante Erika stirbt, gelangt 1999 deren Nachlass in die Sammlung der K\u00fcnstlerin. An ihm l\u00e4sst sich der beispielhaft bewahrende Umgang mit Gegenst\u00e4nden des t\u00e4glichen Gebrauchs einer Generation zeigen, die den Mangel nach zwei Weltkriegen erlebt hat.<\/p>\n<p>Das Objekt wird bei Nana Petzet also als Akteur in einem Netzwerk bzw. System und als in einem st\u00e4ndigen Prozess sichtbar. \u201eM\u00fcll\u201c ist nur ein Zustand, den das Objekt durchl\u00e4uft. Auch das Kunstobjekt wird nicht als Readymade begriffen, das in den Ruinen des Museums endet, sondern als Zwischenstufe, die Ausstellung wird zum Zwischenlager: Der Flaschentrockner wird wieder verwendet, um ausgewaschene Milcht\u00fcten zu trocknen oder als Postkartenst\u00e4nder. M\u00fcll wird als Wertstoff begriffen und Kunst erh\u00e4lt wieder Gebrauchswert. Petzet geht aber noch einen Schritt weiter und hinterfragt auch die Umnutzung von M\u00fcll als \u00e4sthetisches Alltagsobjekt, so sind denn einige K\u00f6rbe aus Plastikt\u00fcten und Fu\u00dfabtreter, Raumteiler oder Kulturbeutel aus Milcht\u00fcten irgendwann genug, sodass man letztlich doch \u00fcber die M\u00fcllvermeidung nachdenken muss.<\/p>\n<p>Petzet bleibt zudem nicht auf den europ\u00e4ischen Kontext fokussiert, sondern blickt auch nach Afrika, wo sich notgedrungen fr\u00fch eine Upcyclingkultur entwickelt hat, wie Petzet in ihrer k\u00fcnstlerischen Recherche zur <em>Abfallwiederverwertung in Addis Abeba<\/em> (2011\u20132012) zeigt. Mit dem Projekt <em>Community Cooker<\/em> (2017) bezieht sich Petzet auf die in Afrika gemeinschaftlich genutzten Herden, die mit Plastikabf\u00e4llen betrieben werden. Diese bergen nat\u00fcrlich \u00f6kologische und gesundheitliche Risiken. Stellt man sie in die N\u00e4he einer M\u00fcllverwertungsanlage in Deutschland, lenken sie den Blick darauf, dass auch in Europa noch immer viel Plastik verbrannt wird.<\/p>\n<p>Bei der <em>Inventarisation der Sammlung mit HIDA MIDAS<\/em> (2000\u20132017) erweitert Nana Petzet ihre Konzeption des <em>SBF-Systems <\/em>um dezidiert institutionskritische Fragen. Sie katalogisiert in der Hamburger Kunsthalle ihre M\u00fcllsammlung mit dem Kunstinventarisierungssystem HIDA MIDAS, das entwickelt wurde, um die Komplexit\u00e4t von Kunstwerken, ihre vielf\u00e4ltigen Beziehungen untereinander und zu anderen Entit\u00e4ten zu erfassen. Dabei hat sich gezeigt, dass nach einiger Anpassungsarbeit das Inventarisierungsprogramm erstaunlich gut geeignet ist, eine M\u00fcllsammlung zu erfassen. Petzet macht so nicht nur deutlich, dass Kunstobjekte als Akteure in einem Netzwerk beschrieben werden k\u00f6nnen, weil sie produziert, benutzt, besch\u00e4digt, repariert, gesammelt werden, aus verschiedenen Teilen zusammengesetzt sind, verschiedene Funktionen besitzen und verschiedene Besitzer durchlaufen, sondern auch, dass sich alle Alltags-, Recycling- und M\u00fcllobjekte damit erfassen lassen. Dies zeigt zum einen, dass ein Kunstinventarisationssystem dazu dienen kann, das Akteur-Netzwerk eines Objekts zu skizzieren bzw. nachzuzeichnen. Zum anderen stellen sich grundlegende Fragen zur Kunst, etwa, was ein Kunstobjekt heute noch von anderen Objekten unterscheidet.<\/p>\n<p>Bei einem Blick auf Petzets Website st\u00f6\u00dft man zuerst auf ein Diagramm, das an ein Akteur-Netzwerk erinnert. Es zeigt, wie Nana Petzet zahlreiche ihrer j\u00fcngeren Projekte begonnen hat: mit einer Zeichnung um vier Begriffe, die die m\u00f6glichen Akteure und ihre m\u00f6glichen Beziehungen zueinander skizziert. Die Besch\u00e4ftigung mit Kreisl\u00e4ufen und Netzwerken, mit der Petzet die Beziehungen von Objekten zu ihrer Umwelt, ihre Relationalit\u00e4t untersucht, erm\u00f6glicht es ihr schlie\u00dflich, in einem weiteren Werkkomplex, eine \u00f6kologische Perspektive einzunehmen.<\/p>\n<p>Sie besch\u00e4ftigt sich intensiv mit dem franz\u00f6sischen Insektenforscher Jean-Henri Fabre, der sich im 19. Jahrhundert der Verhaltensforschung von Tieren widmete. Er war Wegbereiter der \u00d6kophysiologie, die erforscht, wie die Physiologie von Lebewesen in direkter Beziehung zur Umwelt steht. Dabei war er nicht an damals modernen Methoden interessiert, das hei\u00dft nicht an toten Pr\u00e4paraten, sondern vor allem an lebenden Tieren und der Beobachtung ihres Verhaltens. F\u00fcr seine leidenschaftliche Insektenbeobachtung legte er eigens einen Garten an, der ihm als Labor diente. Diese Beobachtung in situ war noch direkt mit der Anschauung, der Aisthesis und damit der Kunst verbunden. Fabre war auch Dichter gewesen und hat ebenfalls Kunst und Wissenschaft in seinem Wirken miteinander verwoben.<\/p>\n<p>Die genaue Beobachtung lebendiger Individuen der Tier- und Pflanzenwelt erlangt nun gerade im Zeitalter des Anthropoz\u00e4n, in dem das Verh\u00e4ltnis zur Natur und der Wissenschaft neu konfiguriert wird, wieder neue Bedeutung. So betont etwa Katherine Hayles im Anschluss an Vil\u00e9m Flussers Essay <em>Vampyroteuthis Infernalis<\/em>, wie wichtig es ist, eine nicht-hierarchische, symmetrische Beziehung zu den nicht-menschlichen Wesen aufzubauen und ihre Agency anzuerkennen, will man diese nicht nur biologisch, sondern auch in ihrer ph\u00e4nomenologischen Welterfahrung verstehen. *6 Flusser unterscheidet zwei Methoden, die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Biologie und die \u201eintersubjektive\u201c wissenschaftliche Praxis, die dazu tendiert, den Standpunkt des Subjekts gegen\u00fcber einem zu erforschenden Objekt zu verlassen und bei dem das zu ergr\u00fcndende Gegen\u00fcber den Menschen wirklich \u201ebetrifft\u201c *7 Diese \u201esubjektive Wissenschaft\u201c zeigt sich bei Amateurwissenschaftlern und Naturkundlern, die die Natur und andere Lebewesen nicht nur aus einer objekt-wissenschaftlichen Perspektive, sondern auch aus einer pers\u00f6nlichen Leidenschaft heraus beobachten, wie Fabre und Petzet. Sie birgt das Potenzial f\u00fcr ein neues Zusammenleben mit den lebendigen Mitwesen auf dieser Erde.<\/p>\n<p>Nana Petzet orientiert sich in ihrer k\u00fcnstlerischen Wissenschaftsforschung also nicht in erster Linie an den neusten wissenschaftlichen Methoden, die abstrakt und anhand von Big Data Erkenntnisse mithilfe digitaler Technik erlangen, sondern an Feldforschern wie Jean-Henri Fabre, deren Arbeitsweise sie in ihrer k\u00fcnstlerischen Praxis aktualisiert. Es geht ihr um den realen, konkreten Einzelfall, nicht die abstrakte, gar virtuelle Datenmenge. Sie geht empirisch vor und von der Beobachtung aus. Dabei bleibt das Lebewesen bzw. das Objekt ihrer Beobachtung ein Individuum. Die Rezipierenden ihrer Kunstwerke lernen die Akteure, die Insekten, Tiere etc. so als Kooperationspartner kennen und k\u00f6nnen potenziell neu in Beziehung zu diesen Lebewesen treten.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund wird auch das Potenzial der Arbeit <em>Kaninchenethogramm Robby<\/em> ersichtlich, die 2007 auf der Gruppenausstellung <em>Say it isn\u2019t so. Naturwissenschaften im Visier der Kunst<\/em> im Weserburg Museum f\u00fcr Moderne Kunst gezeigt wurde. F\u00fcr diese Arbeit stellt Nana Petzet Grundz\u00fcge ihres Wohnzimmers mitsamt Kaninchenstall nach und platziert darin ihr lebendiges Wohnungskaninchen Robby, das sich bei der K\u00fcnstlerin in der heimischen Wohnung ganz frei und ohne Beschr\u00e4nkungen bewegen darf. Nicht zuletzt aufgrund der Domestizierbarkeit von Kaninchen, ihrer viel bemerkten Loyalit\u00e4t und Sozialit\u00e4t gegen\u00fcber ihrer humanen Familie setzt sich die <em>House Rabbit Society <\/em>unter anderem daf\u00fcr ein, anderen Menschen zu vermitteln, wie sie Kaninchen m\u00f6glichst artgerecht in den eigenen vier W\u00e4nden halten k\u00f6nnen. *8 Diese Eigenschaften von Kaninchen f\u00fchren sodann auch dazu, dass man sich im Fall von Petzets Installation aufgrund der darin befindlichen Stangenh\u00fcrden im Miniaturformat unmittelbar an Ausf\u00fchrungen Donna Haraways in ihrem <em>Manifest f\u00fcr Gef\u00e4hrten<\/em> erinnert, in welchem die Autorin unter anderem auf die Hundesportart <em>Agility<\/em> eingeht: Man ist geneigt, in deren das Essay bestimmenden ersten Leitfrage \u201eWie k\u00f6nnten wir durch das Ernstnehmen von Hund-Mensch-Beziehungen eine Ethik und Politik erlernen, die signifikante Andersartigkeit gedeihen l\u00e4sst?\u201c *9 das W\u00f6rtchen \u201eHund\u201c durch \u201eKaninchen\u201c zu ersetzen und in den aufgebauten Stangenh\u00fcrden eine Art von Kaninchen-<em>Agility<\/em> zu erkennen, wobei es sich ja tats\u00e4chlich um eine interspezifische, sportliche Bet\u00e4tigungsform handelt, die \u2013 aus Skandinavien kommend \u2013 bereits seit den 1980er-Jahren zwischen Menschen und Kaninchen unter anderem in menschlichen Wohnzimmern und G\u00e4rten praktiziert wird In Kombination mit den unz\u00e4hligen Verhaltensstudien, in Form von kurzen Videos, die auf der Homepage der K\u00fcnstlerin abzurufen sind, und den handgeschriebenen und minuti\u00f6s ausgearbeiteten tagebuch\u00e4hnlichen Protokollen mit dokumentarischem Charakter, entsteht so ein komplexes, sehr pers\u00f6nliches Kaninchenethogramm, das das Potenzial birgt, \u00fcber neue oder andere Formen des Zusammenlebens mit unseren nicht nur <em>cuniculus<\/em>-artigen Erdenmitbewohnern nachzudenken.<\/p>\n<p>Der genauen Beobachtung verpflichtet sich auch <em>Im Peutegrund <\/em>(August 2008 \u2013 Februar 2011), in der es um die Kartierung und Pflege eines bedrohten Hamburger Hafenbiotops geht und das im Rahmen des Programms <em>Kunst im \u00f6ffentlichen Raum<\/em> der Kulturbeh\u00f6rde Hamburg gef\u00f6rdert und durchgef\u00fchrt wurde. Entgegen seiner Zuschreibung als Altlastverdachtsfl\u00e4che macht Petzet auf den biologischen Wert des zehn Hektar gro\u00dfen Gebiets \u2013 das umgeben ist von industriell genutzter Landschaft \u2013 k\u00fcnstlerisch aufmerksam. Der biologische Wert eines solchen von gewerblicher Nutzung umgebenen Biotops liegt vor allem in der Steigerung von Biodiversit\u00e4t und Artenvielfalt, wie es der Garten- und Landschaftstheoretiker Gilles Cl\u00e9ment in seinem <em>Manifest der Dritten Landschaft<\/em> ausf\u00fchrt. *10 Ganz in diesem Sinne, aber eben mit k\u00fcnstlerischen Mitteln \u2013 Kartierung und Film \u2013 dokumentiert auch Nana Petzet die Tier- und Pflanzenwelt, die sie bei ihren Erkundungen des Gebiets wahrnimmt. Dabei tritt sie erneut ein in ein differenziertes Akteur-Netzwerk bestehend aus den Lebewesen und Pflanzen vor Ort, Biologen, politischen Akteuren \u2013 dem BUND \u2013 und der Hamburg Port Authority. Letztere konnte Petzet im Rahmen ihrer Aktion erfolgreich davon \u00fcberzeugen, und zwar mit einer k\u00fcnstlerischen Aktion, den sich im Biotop befindlichen und aus Japan kommenden Staudenkn\u00f6terich, der zur Minderung der Artenvielfalt im Gebiet beitr\u00e4gt, nachhaltig zu entfernen. Dazu startete Petzet eine Rodungsaktion von Teilen des Kn\u00f6terichs. Erneut dient ihr auch hier das biologische Abfallprodukt als Ausgangspunkt f\u00fcr k\u00fcnstlerische Gestaltungen, sie wertet es also um und verwertet es weiter, unter anderem zu von der Decke h\u00e4ngenden k\u00fcnstlerischen Objekten, die in einer an das Biotop angrenzenden Bootshalle gezeigt wurden. Petzte greift also auf die Potenziale und St\u00e4rken von Akteuren unterschiedlicher gesellschaftlicher Felder zur\u00fcck und verkn\u00fcpft diese zu einem Netzwerk. Dies reichert sie mit \u00e4sthetischen Interventionen an, die nicht zuletzt der sinnlich-emotionalen Vermittlung eines biologisch h\u00f6chst komplexen Vorgangs dienen, und erreicht so insgesamt realpolitische Auswirkungen.<\/p>\n<p>Ganz \u00e4hnlich geht Nana Petzet auch bei ihrem <em>Projekt Yamuna Sustainability Park<\/em> vor, das sie aus Anlass der von Ravi Agarwal und Till Krause kuratierten Ausstellung <em>Yamuna\/Elbe Projekt<\/em> in Neu Delhi initiiert: Der Fluss Yamuna flie\u00dft durch Neu Delhi und ist umgebenden von Auen, die bei Hochwasser \u00fcberfluten. Petzet erkennt auch hier den Wert der Auen, n\u00e4mlich aufgrund ihrer relativen Freiheit von menschlichen Eingriffen, Refugien der Artenvielfalt zu sein und so insgesamt zur Erhaltung und Steigerung von Biodiversit\u00e4t der Flusslandschaft beizutragen. In einem Teil der Auen startete die Delhi Development Authority mit Arbeiten an einem umstrittenen Park, wof\u00fcr Teile der naturnahen Vegetation der Auen planiert werden musste. Dies nimmt Nana Petzet zum Anlass f\u00fcr k\u00fcnstlerische Interventionen, die nicht zuletzt aufgrund ihrer \u00c4sthetik aktivistisches Potenzial entfalten oder zumindest aufr\u00fctteln sollen. Daf\u00fcr greift sie zun\u00e4chst auf das Medium Fotografie zur\u00fcck und f\u00e4ngt Ausschnitte der im Gebiet lebenden Pflanzen- und Tierwelt ein. Zur Pr\u00e4sentation w\u00e4hlt Petzet g\u00e4ngige Protest\u00e4sthetik, indem sie die Fotografien in Holzrahmen und -aufstellern pr\u00e4sentiert, die an Poster oder Plakate auf Demonstrationen erinnern. Nicht nur um die Ausschnitthaftigkeit ihrer Fotografien zu unterstreichen, sondern auch, um mit dieser Protest\u00e4sthetik k\u00fcnstlerisch zu brechen und so f\u00fcr einen \u00e4sthetischen Hingucker zu sorgen, fehlt immer eine der Ecken der von ihrer Form her an Plakate erinnernden Holzrahmen oder bestehen diese immer aus f\u00fcnf und nicht vier Ecken. Au\u00dferdem nutzt die K\u00fcnstlerin den Mehrwert von Kunst, n\u00e4mlich imaginieren zu d\u00fcrfen oder Imaginationsr\u00e4ume er\u00f6ffnen zu k\u00f6nnen, und gestaltet im Eingangsbereich der Ausstellung eine Schautafel, auf der sie ihre Version eines <em>Yamuna Sustainability Park <\/em>zeigt. Bekannte inhaltliche Motive sind auch hier wieder der Stellenwert naturnaher Biotope, die Petzet in ihrer nachhaltigen Version des Yamuna Parks vorsieht, ebenso wie die Wichtigkeit sozialer Aspekte, denn Bauern sollen hier landwirtschaftlichen T\u00e4tigkeiten nachgehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>Harmas KGV<\/em>(seit 2020) ist eine Modellpflanzung mit zwanzig stark bedrohten heimischen Wildkr\u00e4utern in einem Schrebergarten auf einem Kalksandsteinsediment, also einem kargen St\u00fcckchen Land, einem n\u00e4hrstoffarmen Trockenbiotop, auf dem sich auch Neophyten, verbotene Invasoren, ansiedeln. Auch bei diesem Projekt kooperiert Petzet mit Wissenschaftler:innen, Laien und Hobbyk\u00fcnstler:innen und veranstaltet Workshops.<\/p>\n<p>Netzwerke zu kn\u00fcpfen aus denen sympoietisch, im Zusammenwirken verschiedener Akteure, etwas Neues entsteht und die \u00fcber eine k\u00fcnstlerisch inszenierte soziale Praxis hinausgehen, begreift Petzet als M\u00f6glichkeit von Kunst. Die Rezipierendenden werden dabei ebenfalls zu Akteuren in dem Netzwerk, zum G\u00e4rtner, Insektensammler, Sammler, Bewahrer, (Amateur)forscher etc. Sie fordert dazu auf, die Systeme, in denen wir leben, neu zu betrachten, wie es auch Autoren wie Donna Haraway oder Bruno Latour fordern. Damit macht sie insbesondere das Potenzial einer k\u00fcnstlerischen Perspektive f\u00fcr ein relationales und prozessuales Objektverst\u00e4ndnis deutlich. Vor diesem Hintergrund lohnt es sich, Nana Petzets Oeuvre im Zeitalter des Anthropoz\u00e4ns (neu) zu lesen.<\/p>\n<p>Idis Hartmann (*1983) studierte Jura und Kunstgeschichte an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen sowie Kunst- und Filmwissenschaften an der University of Sydney in Australien. Seit 2010 ist sie am ZKM | Zentrum f\u00fcr Kunst und Medien Karlsruhe kuratorisch, als wissenschaftliche Assistentin des Direktors Peter Weibel, zwischenzeitlich als freie Mitarbeiterin und seit 2022 als wissenschaftliche Mitarbeiterin t\u00e4tig. 2014\u20132018 war sie kuratorische Mitarbeiterin des k\u00fcnstlerischen Leiters Peter Weibel der <em>lichtsicht \u2013 Projektions-Biennale<\/em> in Bad Rothenfelde. Zudem arbeitet sie an ihrem Dissertationsprojekt zum Thema <em>Modelle der Komplexit\u00e4t. Zum Verh\u00e4ltnis von Installationen und Systemen<\/em> bei Prof. Dr. Barbara Lange am Kunsthistorischen Institut der Universit\u00e4t T\u00fcbingen, wo sie auch als Lehrbeauftragte t\u00e4tig war.<\/p>\n<p>Tim Jegodzinski (*1988) studierte Kunstgeschichte und Empirische Kulturwissenschaft in T\u00fcbingen und Hamburg. 2020 schloss er seine Promotion zu lebendigen Tieren in der Installationskunst seit den 1990er Jahren bei Prof. Dr. Barbara Lange in T\u00fcbingen ab, wo er au\u00dferdem Lehrauftr\u00e4ge im Bereich der Gegenwartskunst aus\u00fcbte. Seit 2022 vermittelt Tim Jegodzinski Informationskompetenz an der Universit\u00e4tsbibliothek Mainz und ist im Wintersemester 2022\/2023 Lehrbeauftragter am Kunsthistorischen Institut der Universit\u00e4t Mainz.<\/p>\n<p>*1 Bruno Latour und Peter Weibel (Hg.), <em>Critical Zones<\/em>, The MIT Press, Cambridge\/MA, London, ZKM | Center for Art and Media, Karlsruhe, 2020, S. 44\u201349.<br \/>\n*2 Vgl. zu Nana Petzets Kunst im Kontext der Naturwissenschaften: Susanne Witzgall, <em>Kunst nach der Wissenschaft. Zeitgen\u00f6ssische Kunst im Diskurs mit den Naturwissenschaften<\/em>, Verlag f\u00fcr moderne Kunst, N\u00fcrnberg, 2003, S. 214\u2013222.<br \/>\n&gt; *3 Judith Siegmund, \u201ePoiesis und k\u00fcnstlerische Forschung\u201c, in: dies. (Hg.), <em>Wie ver\u00e4ndert sich Kunst, wenn man sie als Forschung versteht?<\/em>, transcript, Bielefeld, 2016, S. 105\u2013121, S. 117.<br \/>\n&gt; *4 Ilya Prigogine, <em>Vom Sein zum Werden<\/em>, 1992; Ilya Prigogine und Isabelle Stengers, <em>Das Paradox der Zeit<\/em>, 1993.<br \/>\n*5 Christiane Meyer-Stoll, \u201eArbeiten an der Erkenntnis: Nana Petzets Rational Scientific Art\u201c, in: <em>Nana Petzet. Der Tausendj\u00e4hrige Raum. Reversion. Schr\u00f6dingers Katzen<\/em>, Ausst.-Kat. Kunstraum M\u00fcnchen e.V., M\u00fcnchen, 1993, S. 4\u20137, hier S. 6.<br \/>\n*6 Nancy Katherine Hayles, \u201cSpeculative Aesthetics and Object-Oriented Inquiry (OOI)\u201d, in: <em>Speculations: A Journal of Speculative Realism<\/em>, Vol. 5, 2014, S. 158\u2013179; Vil\u00e9m Flusser, <em>Vampyroteuthis Infernalis<\/em>, University of Minnesota Press, Minneapolis, London, 2012.<br \/>\n*7 \u201eThis implies a double gesture of using the biologist\u2019s knowledge but also going beyond it into what can be known only because of the deeply shared relationship. [\u2026] we must liberate ourselves above all from a model according to which existence is the meeting of a \u2018transcendental\u2019 subject (a mind) with objects; of a \u2018self\u2019 with a \u2018world.\u2019 According to this model, for example, knowledge would be the meeting between the one-who-knows with what-is-to-be known.\u201c Hayles 2014, S. 166.<br \/>\n*8 Vgl. Internetauftritt der House Rabbit Society: <a href=\"https:\/\/rabbit.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/rabbit.org\/<\/a> (7.11.2022).<br \/>\n*9 Donna Haraway, <em>Das Manifest f\u00fcr Gef\u00e4hrten<\/em>, Merve, Berlin, 2016, S. 9.<br \/>\n*10 Vgl. Gilles Cl\u00e9ment, <em>Manifest der Dritten Landschaft<\/em>, Merve, Berlin, 2010.<\/p>\n<\/div><\/section><\/p><\/div>\n<style type=\"text\/css\" data-created_by=\"avia_inline_auto\" id=\"style-css-av-2abob-2057545ccf1e4d44049445c494c3b4a9\">\n.flex_column.av-2abob-2057545ccf1e4d44049445c494c3b4a9{\npadding:20px 20px 20px 20px;\nbackground-color:#eeeeee;\n}\n<\/style>\n<div  class='flex_column av-2abob-2057545ccf1e4d44049445c494c3b4a9 av_one_full  avia-builder-el-4  el_after_av_one_full  avia-builder-el-last  first no_margin flex_column_div  column-top-margin'     ><section  class='av_textblock_section av-lta8d2v5-4373b41c5c63574b160fca8beb951e90 '   itemscope=\"itemscope\" itemtype=\"https:\/\/schema.org\/CreativeWork\" ><div class='avia_textblock'  itemprop=\"text\" ><h2>\u201eBetreten verboten\u201c<\/h2>\n<h2><\/h2>\n<\/div><\/section><br \/>\n<section  class='av_textblock_section av-lta8dkop-d11d34f8dad5a547e2e5d33d8311e7c9 '   itemscope=\"itemscope\" itemtype=\"https:\/\/schema.org\/CreativeWork\" ><div class='avia_textblock'  itemprop=\"text\" ><h4><b>Interview mit Nana Petzet zur Idee der Freien Flusszone und \u00fcber ihr Projekt <em>Im Peutegrund<\/em> im Hamburger Hafen<br \/>\nDas Interview wurde im Oktober 2019 gef\u00fchrt.<\/b><\/h4>\n<h4><\/h4>\n<\/div><\/section><br \/>\n<section  class='av_textblock_section av-lta8cibp-72ca62145e2f3878a4b69e5a01a312ae '   itemscope=\"itemscope\" itemtype=\"https:\/\/schema.org\/CreativeWork\" ><div class='avia_textblock'  itemprop=\"text\" ><p>Till Krause: Warum hast du bei der <em>Freien Flusszone<\/em> mitgemacht?<\/p>\n<p>Nana Petzet: Die <em>Freie Flusszone<\/em> ist interessant f\u00fcr mich. Da geht es um Grunds\u00e4tzliches, an dem ich schon lange arbeite, darum, ob wir immer alles Land nutzen m\u00fcssen, und darum, wie wir intensiv genutzten und stark regulierten Naturr\u00e4umen wieder eine eigendynamische Entwicklung zugestehen k\u00f6nnen. Ber\u00fchrungspunkte sehe ich vor allem mit meinem Projekt <em>Im Peutegrund<\/em>, an dem ich von 2008 bis 2011 gearbeitet habe. Die Peute befindet sich ja auch auf der Elbinsel [wie gro\u00dfe Teile der <em>Freien Flusszone<\/em>], aber auf der entgegengesetzten, n\u00f6rdlichen Seite, an der Norderelbe. Schon 2008 bezog ich mich auf das Heuckenlock\u00b9 und betrachtete es als \u201eReferenzbiotop\u201c f\u00fcr mein weniger urspr\u00fcngliches Projektareal im Industriegebiet Peute. Mit der <em>Freien Flusszone<\/em> meinst du aber ja nicht nur das Naturschutzgebiet Heuckenlock, sondern ein viel gr\u00f6\u00dferes Gebiet.<\/p>\n<p>TK: Ja, dazu geh\u00f6ren auch Stra\u00dfen, Deiche, D\u00f6rfer, Agrarland, Kleingartensiedlungen, Autobahn, Tankschiffanleger, Sozialbausiedlung, Villen, Friedhof&#8230;<\/p>\n<\/div><\/section><br \/>\n\n<style type=\"text\/css\" data-created_by=\"avia_inline_auto\" id=\"style-css-av-ltbi5chi-177562d4598bdaf1e3644b56874ca13d\">\n.avia-image-container.av-ltbi5chi-177562d4598bdaf1e3644b56874ca13d img.avia_image{\nbox-shadow:none;\n}\n.avia-image-container.av-ltbi5chi-177562d4598bdaf1e3644b56874ca13d .av-image-caption-overlay-center{\ncolor:#ffffff;\n}\n<\/style>\n<div  class='avia-image-container av-ltbi5chi-177562d4598bdaf1e3644b56874ca13d av-styling-no-styling avia-align-center  avia-builder-el-8  el_after_av_textblock  el_before_av_textblock '   itemprop=\"image\" itemscope=\"itemscope\" itemtype=\"https:\/\/schema.org\/ImageObject\" ><div class=\"avia-image-container-inner\"><div class=\"avia-image-overlay-wrap\"><img decoding=\"async\" fetchpriority=\"high\" class='wp-image-155 avia-img-lazy-loading-not-155 avia_image ' src=\"http:\/\/nanapetzet.de\/np\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Nana-Petzet_Plakat_freie_Flusszone_Suederelbe.jpg\" alt='' title=''  height=\"706\" width=\"1000\"  itemprop=\"thumbnailUrl\" srcset=\"http:\/\/nanapetzet.de\/np\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Nana-Petzet_Plakat_freie_Flusszone_Suederelbe.jpg 1000w, http:\/\/nanapetzet.de\/np\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Nana-Petzet_Plakat_freie_Flusszone_Suederelbe-300x212.jpg 300w, http:\/\/nanapetzet.de\/np\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Nana-Petzet_Plakat_freie_Flusszone_Suederelbe-768x542.jpg 768w, http:\/\/nanapetzet.de\/np\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Nana-Petzet_Plakat_freie_Flusszone_Suederelbe-260x185.jpg 260w, http:\/\/nanapetzet.de\/np\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Nana-Petzet_Plakat_freie_Flusszone_Suederelbe-705x498.jpg 705w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/div><\/div><\/div><br \/>\n<section  class='av_textblock_section av-ltbi3xfi-4ca95bd13259b482224b8eb372669734 '   itemscope=\"itemscope\" itemtype=\"https:\/\/schema.org\/CreativeWork\" ><div class='avia_textblock'  itemprop=\"text\" ><p>NP: Mich hat speziell das Heuckenlock interessiert, als ich \u00fcber das Plakat f\u00fcr die <em>Freie Flusszone<\/em> nachdachte. Ich fand die Aufgabe aber nicht leicht, vor allem, weil ich ja meistens Projekte mache, die vielf\u00e4ltige Medien benutzen und unterschiedliche Experten einbeziehen und sich \u00fcber lange Zeitr\u00e4ume entwickeln. Die Herausforderung f\u00fcr mich war: Wie sage ich alles in einem einzigen Bild?<\/p>\n<p>TK: Die gemeinschaftliche Aktion, die zu diesem Bild f\u00fchrte, die Zusammenarbeit mit Experten und das Prozessuale, das in deiner Arbeit meistens eine so gro\u00dfe Rolle spielt, hast du ja in aller Deutlichkeit zum Teil dieses \u201eeinzigen Bildes\u201c gemacht: In den Autorenschaften von allen, die ma\u00dfgeblich zur Realisierung deines Plakates beigetragen haben \u2013 in den Beitr\u00e4gen des Reptilienz\u00fcchters Florian H\u00e4selbarth, des Fotografen Helge Mundt und der GFLK \u2013, siehst du einen solch wichtigen Stellenwert, dass du sie mitten im Bild in gro\u00dfen Buchstaben auff\u00fchrst.<\/p>\n<p>NP: Und wir haben ja auch zur Vorbereitung mehrere Begehungen der <em>Freien Flusszone<\/em> gemacht, mit Ravi Agarwal, mit Katja Lell und mit Friederike Richter*2. Diese F\u00fchrungen waren so etwas wie eine Recherche mit Experten, die in meinen Arbeiten wichtig ist, und in diesem Fall bist du der Experte. Du kennst dort jeden Winkel. Da sind wir doch irgendwann auch unter Autobahnbr\u00fccken herumgekrochen. Und immer wieder die Beobachtungen: Wie ist das Ufer befestigt, kann sich der Fluss entfalten?<\/p>\n<p>Wenn ich dar\u00fcber nachdenke, erscheint es fast wie ein Wunder, dass dieses <em>eine<\/em> Bild entstanden ist. Das ist f\u00fcr mich etwas Spezielles, weil ich nicht so \u00fcber das Plakat reden kann, wie ich beispielsweise \u00fcber die <em>Lichtfalle<\/em>*3 rede, da es f\u00fcr mich nicht begrifflich aufschl\u00fcsselbar ist. Was bedeutet die Glashaube? Das kann ich nicht sagen. Die ist ja erst im Umgang mit den Krokodilen notwendig geworden, damit sie nicht in die kalte Elbe entwischen. Eigentlich wollte ich ja keine Haube \u2013 die ist aber super!<\/p>\n<p>TK: Ich hatte eigentlich nicht vor, dich nach Erkl\u00e4rungen zu deinem Plakat zu fragen, weil es darum geht, mit eigenen Augen zu sehen, und nicht darum, eine Deutung vorgesetzt zu bekommen. Insofern mag ich es, dass du sagst, du k\u00f6nntest nicht alles im Plakat sprachlich begr\u00fcnden. Aber nun doch eine Frage zum Plakat, und zwar zur abgebildeten Landschaft. Du sagst, dass das Heuckenlock der eigentliche Bezugspunkt f\u00fcr dich war. Warum hast du aber das Bild nicht am Heuckenlock, sondern am Bade- und Grillstrand bei den S\u00fcderelbe-Br\u00fccken aufgenommen?<\/p>\n<p>NP: Ich wollte, dass man sofort sieht, dass das Bild in Hamburg aufgenommen wurde. Die Br\u00fccke ist wichtig, um das zu erkennen. H\u00e4tte ich das Krokodil im Heuckenlock fotografiert, h\u00e4tte man den Ort f\u00fcr irgendeine Wildnis gehalten, aber nicht Hamburg zugeordnet. Das Urwaldartige, das ich im Heuckenlock empfinde, steckt f\u00fcr mich sozusagen im Krokodil.<\/p>\n<p>TK: Als letztes Wochenende Ulrich Kahle in unserem <em>Freie-Flusszone<\/em>-Raum im Bamberger Kunstverein*4 dein Plakat sah, erkannte er sofort die Br\u00fccke als die S\u00fcderelbe-Br\u00fccke. Als jemand, der nicht aus Hamburg kommt! Diese Br\u00fccke ist eine der wenigen Landmarken im Gebiet der <em>Freien Flusszone<\/em>, an denen deutlich sichtbar ist: Hier ist Hamburger Gebiet.<\/p>\n<p>NP: Und doch ist es so, dass viele Hamburger das Gebiet nicht kennen. Und man kennt auch nicht unbedingt das Heuckenlock. Sogar Leute mit Interesse f\u00fcr Landschaft und Naturschutz haben h\u00e4ufig noch nie davon geh\u00f6rt, das ist verbl\u00fcffend. Letztes Jahr gab\u2019s eine Plakataktion der Stadt f\u00fcr die Hamburger Naturschutzgebiete. \u00dcber einem Foto vom Heuckenlock standen die Zeilen: \u201eAmazonas Delta? Nein, Heuckenlock!\u201c Also, dieser Dschungel ist hier bei uns!<\/p>\n<p>Am Heuckenlock finde ich interessant, dass es so ein \u201eRest\u201c ist. Und wie eingeschr\u00e4nkt es eigentlich ist. Es ist ja wirklich krass, wie es zwischen dem Deich und den befestigten Ufern eingezw\u00e4ngt liegt. Trotzdem, obwohl das Gebiet so winzig ist, kann man dort eintauchen und sich vorstellen, dass die ganze Elbinsel mal so ausgesehen hat [also auch die Stadtteile Wilhelmsburg und Veddel und der gesamte Hamburger Hafen]. Faszinierend!<\/p>\n<p>TK: Hast du das Heuckenlock deshalb als Referenzfl\u00e4che f\u00fcr das Projekt <em>Im Peutegrund<\/em> bezeichnet?<\/p>\n<p>NP: Ja. Der Peutegrund wurde ja zun\u00e4chst agrarisch und st\u00e4dtisch genutzt und dann durch Sturmfluten und Deichbruch f\u00fcr die Natur zur\u00fcckgeholt. Dagegen nehme ich an, dass das Heuckenlock, zumindest anteilig, vielleicht noch nie genutzt wurde.<\/p>\n<p>TK: Das ist ein weitverbreiteter Mythos, aber ich denke, es stimmt so nicht. Das Gebiet, so klein es ist, besteht doch aus ganz unterschiedlichen Arealen. Etwa die ausgedehnten Reetfl\u00e4chen, die fr\u00fcher bewirtschaftet wurden. Anwohner erz\u00e4hlten uns, sie h\u00e4tten fr\u00fcher das Recht gehabt, dort das Reet f\u00fcr ihre H\u00e4userd\u00e4cher zu schneiden. Das ist ja auch eine Form von landwirtschaftlicher Nutzung. Oder folgt man dem Pfad, den man heute durch das bewaldete Gebiet gehen darf, so st\u00f6\u00dft man auf alte Obstb\u00e4ume, Kopfweiden, k\u00fcnstliche Bodenwellen, Wegepflasterungen, Gr\u00e4ben und so weiter. Meines Erachtens ist es auf jeden Fall eine Kulturlandschaft, die aber wegen ihrer sperrigen Lage entlang einer L\u00e4ndergrenze vergleichsweise wenig genutzt und zudem sp\u00e4ter nicht vollst\u00e4ndig eingedeicht wurde und darum auch heute noch Aspekte des Tideauenwalds hat*5. Aber noch vor kurzer Zeit, vor nur 50 Jahren, hat man dort Ein- und Ausdeichungen vorgenommen und das, was heute als so wertvoll empfunden wird und was damals in noch viel ausgedehnterer Form vorhanden war, stark verkleinert*6.<\/p>\n<p>Bitte erz\u00e4hl doch mehr \u00fcber das Peuteprojekt, denn es ist interessant f\u00fcr die <em>Freie Flusszone<\/em> und f\u00fcr das gesamte Hafengebiet.<\/p>\n<p>NP: Ich wurde im Rahmen des <em>Elbinsel Sommers 2008<\/em> der Internationalen Bauausstellung Hamburg eingeladen, einen Beitrag zur Ausstellung <em>Kultur \/ Natur<\/em>*7 zu entwickeln. Ich hatte freie Hand und konnte mir irgendein Thema, das mit Natur und Elbinsel zu tun hat, aussuchen. Durch Harald K\u00f6pke vom BUND [Bund f\u00fcr Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V.] bin ich auf ein kleines Biotop im Industriegebiet Peute aufmerksam geworden. Dort ist es das einzige St\u00fcck Land, auf das die Tide einen gewissen Einfluss hat, obwohl es hinter dem Deich liegt. Ein bei der Hafenentwicklung \u00fcbrig gebliebener Rest urspr\u00fcnglichen Marschlandes, wild zugewuchert, mit einem flachen Teich in der Mitte. Ein sich seit den Siebzigern ungest\u00f6rt entwickelndes Biotop, klein, ungef\u00e4hr 6,5 Hektar gro\u00df. Es ist HPA-Gel\u00e4nde \u2013 das war eine Auswahlbedingung f\u00fcr mich, da ich mich daf\u00fcr interessierte, wie sich die gegens\u00e4tzlichen Interessen von Hafen und Naturschutz in der Entwicklung einer konkreten Hafenbrache niederschlagen. Zun\u00e4chst begann ich damit, Biodiversit\u00e4t und Geschichte des Peutegrunds zu erforschen.<\/p>\n<p>TK: Aber es war doch, so wie es heute aussieht, nicht ein \u00fcbrig gebliebener Rest feuchten Landes, sondern ein verschlicktes, ungenutztes Hafenbecken, die Verl\u00e4ngerung des nebenan liegenden Peutehafens?<\/p>\n<p>NP: Nein, der Peutegrund ist meinen Informationen nach ein altes Marschland und schon seit dem 17. Jahrhundert eingedeicht. Zun\u00e4chst wurde das Gel\u00e4nde agrarisch genutzt. Vom benachbarten Binnenschifffahrtshafen, dem Peutehafen, war es immer durch einen Deich getrennt. Nach dem Zweiten Weltkrieg bauten sich Menschen, die nichts zum Wohnen hatten, dort auf dem Gel\u00e4nde H\u00fctten. Ein basteliges Gebiet entstand, eine Mischung aus Kleing\u00e4rten und Werkst\u00e4tten. Zum Beispiel wei\u00df ich von einer Schiffstischlerei. Bei der legend\u00e4ren Sturmflut von 1962 wurde der umliegende Deich zun\u00e4chst \u00fcberflutet, dann brach er \u2013 zwei Menschen starben im Peutegrund. Danach dachte man, das Gel\u00e4nde weiterhin als Nutzfl\u00e4che erhalten zu k\u00f6nnen. Aber bei jeder folgenden gro\u00dfen Sturmflut stand die ganze Gegend unter Wasser. 1977, 78 sch\u00fctzte man die Umgebung des Peutegrunds durch eine Spundwand in H\u00f6he der damals aktuellen Deichlinie von 7,3 Metern \u00fcber Normalh\u00f6hennull. Den elbseitig am Peutegrund gelegenen Deich, den Peuter Elbdeich, erh\u00f6hte man ebenfalls und verbreiterte ihn, sodass er sich wie eine Landzunge bis zum Peutehafen zieht. Auf diesen Deich siedelte man die Betriebe vom Peutegrund um und lie\u00df dort von nun an niemanden mehr arbeiten, wohnen oder g\u00e4rtnern. Der Peutegrund war nun aus dem sturmflutgesicherten Gebiet ausgegrenzt, denn den niedrigen Deich zwischen ihm und Peutehafen erh\u00f6hte man nicht. Bei besonders hohen Sturmfluten wird er \u00fcbersp\u00fclt. Man legte ein Entw\u00e4sserungsrohr durch ihn hindurch, sodass Wasser bei Niedrigwasser ablaufen kann. Dieses Rohr ist mit einer R\u00fcckstauklappe versehen, damit die normalen Hochwasser nicht in den Peutegrund eindringen k\u00f6nnen. Seit damals hat die Eigent\u00fcmerin Strom und Hafenbau, die heutige HPA, nichts mehr dort gemacht. Das ist eine lange Zeit, sodass von ganz allein ein Biotop im Peutegrund entstand. F\u00fcr die HPA war es aber nur eine graue Fl\u00e4che auf der Landkarte, die man sich daf\u00fcr vorbehielt, sie zuk\u00fcnftig zu bebauen oder in anderer Weise f\u00fcr den Hafen zu nutzen.<\/p>\n<p>TK: Aber hattest du nicht bei deinen Erkundungen entdeckt, dass die R\u00fcckstauklappe im Entw\u00e4sserungsrohr defekt ist und die Flut in den Peutegrund eindringt?<\/p>\n<p>NP: Ja. Und Elisabeth Essen, die seit den F\u00fcnfzigerjahren auf und neben dem Peutegrund lebt, erz\u00e4hlte mir, dass irgendjemand das Ventil im Rohr zerst\u00f6rt h\u00e4tte, damit die Flut den Teich im Peutegrund speisen und man dort im Winter Schlittschuh laufen und Eisstock schie\u00dfen kann. Damit war das Gebiet also in geringem Ma\u00dfe der Tide ausgesetzt. Dieser Umstand r\u00fcckt es n\u00e4her an die Bedingungen f\u00fcr die Entstehungen eines Tideauwalds heran, also an die Bedingungen f\u00fcr die fast ganz verschwundene, gebietsheimische Vegetationsform der gesamten Elbinsel.<\/p>\n<p>Deshalb lag es f\u00fcr mich nahe, im Peutegrund zun\u00e4chst Pflanzen- und Tiere zu erfassen und Fotos und Filmaufnahmen der gefundenen Spezies zu machen. Ich beschaffte mir den Erhebungsbogen zur <em>Biotopkartierung Hamburg<\/em> der Umweltbeh\u00f6rde. Die letzte Erhebung stammte von 2003 und erfasste nur die Pflanzen und die Habitattypen, sodass wir sehen wollten, was sich hier seitdem entwickelt hatte. Ich machte Begehungen mit dem Ornithologen G\u00fcnther Rupnow vom NABU [Naturschutzbund Deutschland e.V.]. Mit dem Entomologen Frank R\u00f6bbelen suchten wir nach Schmetterlingen und Heuschrecken, Andromeda v. Prondzinski kartierte die Vegetation, und mit Harald K\u00f6pke untersuchten wir Wassertiere.<\/p>\n<p>Ich filmte und machte Interviews mit Anwohnern. Und ich setzte mich mit der HPA auseinander. Mein Projekt fand ja im Rahmen der Internationalen Bauausstellung, also im Rahmen eines Stadtentwicklungsprogramms statt. Und die Eigent\u00fcmerin des Gel\u00e4ndes, die HPA, als Nachfolgerin der Beh\u00f6rde Strom und Hafenbau, ist ebenfalls st\u00e4dtisch. Deshalb wollte ich mit der HPA direkt in Kontakt treten und von ihr das Kartieren, Filmen und Kn\u00f6terich-Roden im Peutegrund genehmigen lassen. Die Genehmigung wurde mit Hinweis auf die Klassifizierung der Fl\u00e4che als \u201eAltlastverdachtsfl\u00e4che\u201c abgelehnt. Trotzdem machte ich meine Aktionen. Daraufhin wollte mich die HPA verklagen. Also bin ich zum Pressesprecher der HPA gegangen und habe meinen Film \u00fcber das Gebiet gezeigt. Dann war Ruhe.<\/p>\n<p>Gerade zur damaligen Zeit hatte die HPA viele wertvolle Biotope im Hafengebiet zerst\u00f6rt. Vor allem an der Rethe, am Blumensandhafen und bei der Hohen Schaar waren wichtige R\u00fcckzugsorte f\u00fcr Wasserv\u00f6gel verloren gegangen. Ausgleichsma\u00dfnahmen m\u00fcssen aus Sicht der HPA au\u00dferhalb des Hafens stattfinden, blo\u00df nicht auf dem eigenen Grund, damit man dort immer freie Hand f\u00fcr die Hafenwirtschaft beh\u00e4lt. Es gibt bei der HPA eine gro\u00dfe Sorge, dass sich auf Hafenfl\u00e4chen, die l\u00e4ngere Zeit brachliegen, Biotope entwickeln k\u00f6nnten. Biotope, die mit der Zeit \u00f6kologisch so wertvoll werden, dass auf die Fl\u00e4chen zuk\u00fcnftig nicht mehr willk\u00fcrlich f\u00fcr Hafenzwecke zugriffen werden darf. Um solche Entwicklungen zu verhindern, werden Fl\u00e4chen pr\u00e4ventiv versiegelt oder Rasenfl\u00e4chen angelegt.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund haben wir \u2013 der BUND und Kunst \u2013 gemeinsam an der Verbesserung der Artenvielfalt des Peutegrunds gearbeitet, mit dem Ziel, seinen Schutzstatus zu erhalten und damit das Gebiet dem zuk\u00fcnftigen Zugriff durch Hafen oder Stadtentwicklung zu entziehen. Wir haben \u2013 als eine Provokation \u2013 im Rahmen des Kulturprogramms der Internationalen Bauausstellung einen Eingriff auf diesem HPA-Grund vorgenommen: eine Biotop-Pflegeaktion. Wir haben Kn\u00f6terich gerodet. Der invasive Japanische Staudenkn\u00f6terich hatte sich extrem dicht ausgebreitet, und wir haben ihn auf einem kleinen St\u00fcck des Peutegrunds gerodet und die Kn\u00f6terichstangen in der nahe gelegenen Bootshalle von Elisabeth Essen ausgestellt.<\/p>\n<p>Diese Aktion wurde von der HPA als deutliches Signal empfangen. Das Gebiet wurde eingez\u00e4unt, und alle zehn Meter wurden Schilder aufgestellt: \u201ePrivatgrundst\u00fcck, betreten verboten, HPA\u201c. Zuvor konnte dort jeder hin und machen, was er wollte, Lkw-Fahrer, Freizeitangler, alle. Aber kaum macht jemand etwas \u00fcber den Wert des Biotops \u00f6ffentlich, gehen die Alarmglocken los! Genau um diesen Widerstreit von Interessen ging es mir. Ich fand, dass die Verbotsschilder eigentlich ein Teil meines Projekts waren. Und wie viel Wildnis w\u00fcnscht man auf der Elbinsel? Und wenn sie dann da ist, was ist sie einem wert? K\u00f6nnte nicht sogar dieser Deich zum Peutehafen weg? Der ist ja sowieso schon durchl\u00f6chert. Da w\u00e4re es doch einfach, dem Fluss an dieser Stelle ein kleines bisschen Freiheit zur\u00fcckzugeben. Dadurch w\u00fcrde nat\u00fcrlich das zerst\u00f6rt, was sich bis jetzt dort entwickelt hat, aber es g\u00e4be richtigen Tideeinfluss.<\/p>\n<p>TK: Der Tideeinfluss w\u00fcrde, denke ich, sehr rasch wieder von allein verschwinden, da der Peutegrund eine Sackgasse ist und die Durchstr\u00f6mung fehlt. Der Fluss w\u00fcrde mehr Sedimente hinein- als hinaustragen. So w\u00fcrde das Gebiet nach der Deich\u00f6ffnung schnell verlanden und wieder dem heutigen Zustand \u00e4hneln.<\/p>\n<p>Das ist im \u201eReferenzbiotop\u201c Heuckenlock ganz \u00e4hnlich. Zwischen Heuckenlock und Elbe liegen weitenteils Deckwerke, Steinb\u00f6schungen zur Kanalisation des Flusses, aber auch zum Schutz des Heuckenlocks vor der starken Str\u00f6mung und vor der Gefahr, weggesp\u00fclt zu werden. Mehrere Priele f\u00fchren in das Naturschutzgebiet hinein, meines Wissens alle als Sackgassen. Beziehungsweise jenem sch\u00f6nen, lang gestreckten Flussarm namens Heuckenlock, den man auf dem \u00f6ffentlichen Heuckenlock-Pfad \u00fcberquert, ist an seinem Ostende nur ein \u00e4u\u00dferst schmaler R\u00fccklauf in die Elbe gestattet, eigentlich nur ein Rinnsal durch eine Minil\u00fccke im Deckwerk. Dadurch fehlt die wirkliche Durchstr\u00f6mung des Gebietes mit all den damit verbundenen Ver\u00e4nderlichkeiten und Angriffsm\u00f6glichkeiten durch den Fluss. Die Wechselwirkung zwischen Land und Strom ist also kaum gegeben, vom viel ger\u00fchmten S\u00fc\u00dfwasser-Tideauenwald existiert nur ein \u00e4u\u00dferst kontrolliertes Restchen. Lina G\u00fcssefeld*9 hatte als eines der Resultate ihrer Diplomarbeit \u00fcber die Deckwerke am Heuckenlock \u2013 dieses Diplomarbeitsthema war ja durch unser Projekt initiiert \u2013 vorgeschlagen, eine gr\u00f6\u00dfere Durchstr\u00f6mung des Heuckenlocks zu erw\u00e4gen. Die zust\u00e4ndige Mitarbeiterin des Bezirksamtes und die Stiftung Lebensraum Elbe h\u00f6rten sich die Vorschl\u00e4ge damals \u00e4u\u00dferst interessiert an, beschlossen aber dann, an dieser Stelle vorerst nichts zu \u00e4ndern \u2013 meiner Wahrnehmung nach aus Sorge vor unvorhersehbaren Zerst\u00f6rungskr\u00e4ften der Flussenergie, die das Naturschutzgebiet wegsp\u00fclen k\u00f6nnte. Und wir wissen ja, wie sehr diese hohe Energie auf die Elbvertiefung f\u00fcr die Containerschifffahrt zur\u00fcckzuf\u00fchren ist.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum Peutegrund. Sagtest du nicht mal, dass durch dein Kunstprojekt der Peutegrund als sch\u00fctzenswertes Biotop anerkannt wurde?<\/p>\n<p>NP: Das w\u00fcrde ich so nicht behaupten. Erstens hatte das Gebiet schon vor 2008 einen gesetzlichen Schutzstatus, wenn auch den niedrigsten. Aber das Paradoxe war ja gerade, dass sich das Biotop durch die starke Neophytenausbreitung von selbst entwertet und um den Schutzstatus gebracht h\u00e4tte, wenn dort nicht \u201eg\u00e4rtnerisch\u201c eingegriffen worden w\u00e4re. Da hat das Kunstprojekt zwar die Sache angesto\u00dfen, aber in Zusammenarbeit mit Harald K\u00f6pke vom BUND. Drei, vier Jahre sp\u00e4ter kam es durch seine Initiative tats\u00e4chlich dazu, dass die HPA in dem Gebiet zwei weitere kleine Teiche anlegte und den Kn\u00f6terich beseitigte \u2013 ein bisschen gro\u00dfz\u00fcgiger, als wir das geschafft haben. Und samt Wurzeln.<\/p>\n<p>TK: Ist damit jetzt der Peutegrund als sogenannte Ausgleichsfl\u00e4che definiert?<\/p>\n<p>NP: Nee, so auch wieder nicht, blo\u00df keinen Pr\u00e4zedenzfall schaffen! Dennoch, die HPA hat Geld investiert f\u00fcr eine \u00f6kologische Aufwertungsma\u00dfnahme auf ihrem Gebiet. Das war schon ein Novum. Es w\u00e4re interessant, der Sache noch mal nachzugehen und herauszufinden, wie die Verantwortlichen bei der HPA heute dazu stehen.<\/p>\n<p>TK: Darf ich noch hinsichtlich der Kn\u00f6terich-Beseitigungsaktion nachfragen, die du angezettelt hast? Andromeda v. Prondzinski, die&amp;der dir ja bei der Kartierung des Peutegrunds half, hat f\u00fcr die <em>Freie Flusszone<\/em> zwei Plakate, eine Postkarte und einen dazugeh\u00f6rigen Text verfasst, der sich gegen die wertende Einteilung in Heimisches und Fremdes, gegen den Begriff der invasiven Art und gegen Vernichtungsaktionen von \u201enicht heimischen\u201c Pflanzen wendet. Du kanntest diese Position, trotzdem hast du die Beseitigungsaktion durchgef\u00fchrt. Warum?<\/p>\n<p>NP: Ja, Andromeda fand\u2019s verkehrt. Aber ich finde es immer interessant, Interventionen und exemplarische Eingriffe ins System zu machen. Daran zeigen sich andere Dinge, als wenn man nur dar\u00fcber redet oder schreibt oder nur Fotos macht. Eine solche Aktion macht eben auch Konflikte sichtbar. Ich arbeite ja in den Widerspr\u00fcchen und widerstreitenden Anspr\u00fcchen. Wir haben Natur zerst\u00f6rt, um sie zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem bin ich mir gar nicht so im Klaren dar\u00fcber, ob ich es richtig oder falsch finde, in Naturschutzgebieten Eingriffe vorzunehmen und das zu dezimieren, was man da nicht haben will. Wenn man zusehen muss, wie seltene heimische Pflanzen in einem engen Restbiotop von Neophyten \u00fcberwuchert werden und dadurch auch bedrohte Tierarten verschwinden \u2013 ich kann gut nachvollziehen, dass man auf die Idee kommt, einzugreifen. Frank R\u00f6bbelen hat bei seiner Begehung die Besiedlung des Peutegrunds durch die Gestreifte Zartschrecke nachgewiesen. Die heimische Hochstaudenflur, die der Gestreiften Zartschrecke einen Lebensraum bietet, w\u00e4re durch den Staudenkn\u00f6terich verdr\u00e4ngt worden. Der Kn\u00f6terich hatte es mit kr\u00e4ftiger Unterst\u00fctzung durch die Armenische Brombeere und die Kanadische Goldrute im Peutegrund schon ganz gut hingekriegt, das Reet und die Hochstaudenflur zu verdr\u00e4ngen und das Gebiet nahezu ganz zu \u00fcbernehmen. Damit h\u00e4tte sich das Biotop leider selbst entwertet, was die Artenvielfalt und den Schutzstatus betrifft. Ohne unsere Aktion st\u00fcnde dort heute vielleicht eine Lagerhalle.<\/p>\n<p>TK: Aber du sprichst ja auch immer wieder von der Idee der \u201eEigendynamik\u201c und von \u201esich selbst entwickelnden Biotopen\u201c. Auch bei Andromeda spielt generell, so glaube ich, die Idee des \u201eSeinlassens\u201c eine gro\u00dfe Rolle. Und im <em>Freie-Flusszone<\/em>-Projekt erstreckt sich diese Idee nicht allein auf Naturprozesse, sondern aus dem k\u00fcnstlerischen Blick heraus auf sehr viel mehr \u2013 eigentlich auf alle Ph\u00e4nomene, die uns umgeben. F\u00fcr mich spielt der Gedanke eine Rolle, dass in allem \u2013 sei es ein Ding oder ein Lebewesen oder einfach nur eine einfache Geste oder Bewegung \u2013 etwas steckt, das um seiner selbst willen da ist und darum \u201esein gelassen\u201c werden k\u00f6nnte. Das kann ich nicht gut n\u00e4her beschreiben, nicht als eine konsequent aufschl\u00fcsselbare Denk- oder Handlungsweise, sondern mehr als eine Haltung oder als ein Verh\u00e4ltnis. Etwas um seiner selbst willen zu tun und zu bestaunen ist ein wesentlicher Aspekt der Kunst. Insofern ist das <em>Freie-Flusszone<\/em>-Projekt kein Naturschutzvorhaben \u2013 obwohl es sich an vielen Stellen eng mit dessen Anliegen zusammentut \u2013, sondern es ist eher eine k\u00fcnstlerische Projektion auf eine Landschaft mit ihren sehr vielen unterschiedlichen Ph\u00e4nomenen.<\/p>\n<p>NP: Wieso hast du ausgerechnet die S\u00fcderelbe daf\u00fcr gew\u00e4hlt?<\/p>\n<p>TK: Der Impuls war tats\u00e4chlich dieser eigenartige Widerspruch zwischen der Existenz des S\u00fc\u00dfwasser-Tideauenwalds und dessen gleichzeitige rigorose Verhinderung durch die Art und Weise des Flussbaus mit seiner Gradlinigkeit und seinen Steinwandungen. Die totale Einordnung des gesamten Gebietes in die Funktionalisierung des Flusses als Verkehrsweg und Wasserabfluss. Das Feste und das Fl\u00fcssige, das Statische und die andauernde Ver\u00e4nderung sto\u00dfen an der S\u00fcderelbe hart aufeinander. Beides ist jeweils in deutlicher Form vorhanden. Das ist eine sehr besondere Situation und war der Ansto\u00df, das Gebiet als Modellgebiet zu nehmen und es auch \u00fcber die Ufer hinaus sehr viel n\u00e4her anzusehen.<\/p>\n<p>In deiner Kunst sehe ich die Methode, dass du Themen, an denen sich gro\u00dfe gesellschaftliche Debatten entz\u00fcnden (etwa ein Thema wie das M\u00fcllrecycling), und ihre Regularien und Symbole (etwa das Duale System mit dem Gr\u00fcnen Punkt) aufgreifst und dich zu deren Ober-ober-Anw\u00e4ltin machst und sie intensiv durchspielst.*10<\/p>\n<p>NP: Und vor allem ernst nehme!<\/p>\n<p>TK: Als <em>Spiel<\/em> total ernst nimmst.<\/p>\n<p>NP: Ja, ich mache mich spielerisch zur Anw\u00e4ltin der Natur und nehme die Regeln und Gesetzte sehr ernst und arbeite mich an ihnen ab. Da sind zum Beispiel Umweltvertr\u00e4glichkeits- und Machbarkeitsstudien, \u00d6kobilanzen, die Regeln des Biotopschutzes, die Bestimmung des Biotopstatus und all die M\u00f6glichkeiten, die damit verbunden sind, wie zum Beispiel die, Beschwerde bei der EU einzureichen. Alle, einschlie\u00dflich der Politiker, der Stadtentwickler und der HPA, alle behaupten, dass ihnen Umweltschutz wahnsinnig wichtig ist. Und was ist denn, wenn man es wirklich ernst meint? So gehe ich vor. Und wenn ich dann durch diese spielerische Einnahme der hundertprozentigen Naturschutzperspektive auf Fragen, Widerspr\u00fcche und Grenzen sto\u00dfe und in Teufels K\u00fcche komme, dann wird\u2019s spannend, dann werden die Widerspr\u00fcche der Reden und Absichtserkl\u00e4rungen sichtbar. Was bedeutet das? Was sind die Konsequenzen? In welchem Widerspruch befindet man sich grunds\u00e4tzlich als Mensch, wenn man die Natur erhalten, sch\u00fctzen oder wiederherstellen will?<\/p>\n<p>Bei allem Spiel ist allerdings der Naturschutz f\u00fcr mich wirklich eine Motivation und ein gro\u00dfes Anliegen. Er hat in meiner Arbeit Priorit\u00e4t vor anderen Themen. Aber die spielerische Einnahme des Themas ist wichtig, weil sie erlaubt, viel tiefer in die Gesamtproblematik einzusteigen. Gerade lese ich das Buch <em>Homo Ludens \u2013 Vom Ursprung der Kultur im Spiel<\/em> von Johan Huizinga aus den 1930ern. Er erkl\u00e4rt unsere gesamten Kulturleistungen aus dem Spiel heraus und das Spiel wiederum als etwas, das in einem sportlichen Wettstreit stattfindet, der urspr\u00fcnglich auch einen sakralen Charakter hatte. S\u00e4mtliche Bereiche, die wir als Kultur bezeichnen, h\u00e4tten ihren Ursprung im Spiel, h\u00e4tten sich dann aber sehr stark davon entfernt. Zumindest denkt heute keiner mehr, dass beispielsweise eine Gerichtsverhandlung oder eine Gro\u00dfbaustelle ein Spiel sei oder einen spielerischen Aspekt habe. In der Kunst seiner Zeit kann Huizinga das nicht mehr feststellen, er sieht sie mehr als gesellschaftliches Spiel von Kennern und Nichtkennern. So wie ich Kunst auffasse, kann ich den Ursprung im Spiel erfahrbar machen.<\/p>\n<p>Bedingung ist: Das Spiel muss einen abgesteckten Rahmen haben, der klar definiert ist und in dem dieses Spiel stattfindet, herausgehoben aus dem Alltag und seinen Notwendigkeiten. Wie ein Schachbrett, ein Fu\u00dfballfeld oder eben wie das Kunstfeld. Das Kunstfeld ist eine Spielwiese, es hat etwas Unernstes, hat eigene Gesetze. Und diese Gesetze sind wiederum ganz ernst zu nehmen, sonst macht es n\u00e4mlich keinen Spa\u00df. Wenn ich zum Beispiel Schach spiele und der eine sagt, sein Springer k\u00f6nne, was eine Dame kann, dann ist er ein Spielverderber, und es macht keinen Spa\u00df, mit ihm zu spielen. Bei der Kunst ist es nur viel schwerer zu erkl\u00e4ren, was die Regeln sind. Aber es gibt Regeln. Wir haben ja genaue Vorstellungen davon, was Kunst ist und was keine Kunst ist.<\/p>\n<p>TK: Ja, die Regeln sind in der Kunst unglaublich pr\u00e4sent und trotzdem so schwer beschreibbar. Gleichzeitig wehren wir uns die ganze Zeit gegen die Regeln, werfen sie \u00fcber den Haufen und halten uns wiederum an sie.<\/p>\n<p>NP: Und es gibt einen Wettstreit. Da ist dieser Ehrgeiz: \u201eIch finde jetzt das richtige Bild!\u201c Da ist ein Wettstreit mit sich selbst und mit den Kollegen. Nat\u00fcrlich gibt es auch den Kunstmarkt. Der ist ein eigenes Spielfeld, und da ist ganz klar, wer da vorne ist und wer nicht. Und ich bin da nirgends, quasi nicht vorhanden. Den Wettstreit auf diesem Feld habe ich bisher nie gesucht. Allerdings fehlt dem Kunstmarkt eine wesentliche Bedingung f\u00fcr den Spielcharakter, n\u00e4mlich die, dass das Spiel seinen Zweck in sich selbst hat. Hier steht der merkantile Zweck im Vordergrund. Das Primat des Kommerziellen zerst\u00f6rt hier den Spielcharakter der Kunst. Es gibt aber noch den anderen Wettstreit, den ich da durchaus sehe, n\u00e4mlich: Wie kann ich etwas Interessantes zu dem Ganzen hinzuf\u00fcgen oder es sogar vielleicht erweitern? Also, auf diesem Ideenmarkt sehe ich mich und f\u00fchle mich dort herausgefordert. Es ist ein ideeller Wettstreit, im Idealfall reiner Selbstzweck.<\/p>\n<p>TK: Du hast \u00fcber den abgrenzenden Rahmen, \u00fcber die Wichtigkeit der Spielfeldgrenzen gesprochen. Wie sieht das im Fall des Peutegrunds oder der <em>Freien Flusszone<\/em> aus? Du nimmst Naturschutz und dessen Regeln total ernst, aber als Spiel. Und gleichzeitig mischt sich deine T\u00e4tigkeit mit der von den BUND- und NABU-Natursch\u00fctzern. Sogar du selbst bist im Herzen als Natursch\u00fctzerin dabei, nicht nur als K\u00fcnstlerin. Das trifft sich und vermengt sich. So kommen in unsere Kunstprojekte andere Anliegen und W\u00fcnsche mit hinein, andere Spiele, Bez\u00fcge und Zwecke. Damit wird die Spielfeldgrenze unklar, vielleicht durchl\u00f6chert.<\/p>\n<p>NP: Ja. Ich finde diese Frage immer sehr schwer. Was ist denn da Kunst, wo sind die Grenzen der Kunst? Geht\u2019s da nicht nur um Umwelt? Viele Kunst macht es sich zur Hauptaufgabe, die Bedingungen der Kunst zu erkunden. Das tue ich nicht. Ich wei\u00df nat\u00fcrlich, dass ich das auch tue, indem ich das tue, was ich tue. Durch meine Kunst ber\u00fchre ich st\u00e4ndig diese Fragen und verschiebe die Grenzen. Aber ich mache sie nicht zum Thema.<\/p>\n<p>Mir hilft dieser Gedanke des Spiels. Denn zum Spiel kommt die Freiheit. Innerhalb der Regeln ist Freiheit. In der antiken Trag\u00f6die gibt es ja die Maske des Schauspielers. Meine Maske ist die, dass ich mich in lauter kunstfremde Themen relativ weit reinw\u00fchle. Wenn ich gerade fit bin, kann ich in diesen Themen und mit den richtigen Fachtermini so gut reden, dass alle denken, ich sei beispielsweise Biologin. Ich kann dann so reden, als w\u00e4re ich eine, bin es aber nicht. Und das ist wie eine Maske, die ich mir aufsetze, als wenn ich klassisches Theater spielte. Durch die Maske habe ich die n\u00f6tige Freiheit, kann gewagte Spielz\u00fcge vornehmen oder die Spielz\u00fcge des Naturschutzes mit denen der Kunst verl\u00e4ngern und umgekehrt. Im Unernst des k\u00fcnstlerischen Spiels kann ich die ernsten Themen sehr frei und weitreichend bewegen.<\/p>\n<p>Auch mit der <em>Freien Flusszone<\/em> steckst du ein k\u00fcnstliches Spielfeld ab, aber ein ganz konkretes: einen Teil der Stadt Hamburg und einen Zipfel Niedersachsens, ein ziemlich gro\u00dfes Gebiet. Das gibt es wirklich, aber als etwas Hypothetisches, als Kunstfeld. Und darin kann jetzt alles M\u00f6gliche passieren, nach Kunstregeln. Es geht um etwas ganz Konkretes und darin um Freiheit.<\/p>\n<p>*1 Heuckenlock: ein Areal mit Naturschutzstatus im Gebiet der <em>Freien Flusszone<\/em>. Siehe dazu Lina G\u00fcssefelds und Michael Strucks sowie Jacqueline Neubeckers Beitr\u00e4ge in diesem Buch.<br \/>\n*2 Ravi Agarwal und Katja Lell: siehe deren Beitr\u00e4ge und Interviews in diesem Buch. Friedericke Richter leitete lange Zeit die <em>Freie-Flusszone<\/em>-Plakatierung, von ihr stammen viele Fotos in diesem Buch, und sie unterst\u00fctzte das Projekt in vielf\u00e4ltiger Weise.<br \/>\n*3 Siehe Fu\u00dfnote 1.<br \/>\n*4 Im Rahmen der Gruppenausstellung <em>Natur als Argument<\/em>, Kunstverein Bamberg, Stadtgalerie Villa Dessauer, 2019.<br \/>\n*5 Die Entstehungsgeschichte des Heuckenlock-Gebietes ist in diesem Buch sehr viel pr\u00e4ziser von Michael Struck beschrieben: Siehe das Kapitel 2.5 in <em>Untersuchungen zur Dynamik an der Uferbefestigung der S\u00fcderelbe entlang des Naturschutzgebiets Heuckenlock<\/em>.<br \/>\n*6 Siehe das Kapitel <em>Die Karte 1:5000 Neuland-Ost<\/em> in diesem Buch.<br \/>\n*7 Siehe das Buch: Anke Haarmann und Harald Lemke (Hg.), <em>Kultur\/Natur: Kunst und Philosophie im Kontext der Stadtentwicklung<\/em>, Jovis Verlag, Berlin 2009.<br \/>\n*8 HPA: Hamburg Port Authority, Anstalt \u00f6ffentlichen Rechts, Nachfolgerin von Strom und Hafenbau, der ehemaligen Hamburger Hafenbeh\u00f6rde.<br \/>\n*9 Lina G\u00fcssefeld (Friel), Geografin, arbeitet von 2012 bis 2013 ma\u00dfgeblich an dem Projekt <em>Freie Flusszone<\/em> mit. Siehe auch ihren Beitrag zu diesem Buch.<br \/>\n*10 Siehe dazu die Internetseite www.nanapetzet.de, au\u00dferdem die B\u00fccher: Nana Petzet, <em>Sammeln Bewahren Forschen. Das SBF-System 1995\u20132001<\/em>, hg. v. K\u00fcnstlerst\u00e4tte Schloss Bleckede, Salon Verlag, K\u00f6ln 2001; Nana Petzet, <em>System SBF. Inventarisierung der Sammlung. Metainventur<\/em>, Verlag f\u00fcr moderne Kunst, N\u00fcrnberg 2003.<\/p>\n<\/div><\/section><\/p><\/div><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":30,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-23","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/nanapetzet.de\/np\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/23","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/nanapetzet.de\/np\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/nanapetzet.de\/np\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/nanapetzet.de\/np\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/nanapetzet.de\/np\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23"}],"version-history":[{"count":10,"href":"http:\/\/nanapetzet.de\/np\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/23\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":842,"href":"http:\/\/nanapetzet.de\/np\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/23\/revisions\/842"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/nanapetzet.de\/np\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}